hubert blanz

Schwere Wolken
photo animated audio/video installation, 9:16 format, 15:20 min, Hubert Blanz, 2019


Projektbeschreibung

Seit 2012 fotografiere ich Baustellen-Gerüstplanen in verschieden Städten und Ländern. Bisher entstanden über 200 Fotos in England, Schweden, Frankreich, Deutschland und Österreich. Im Fokus stehen blickdichte weiße Planen. Durch ihre Befestigung vor dem Gerüst, wie vornehmlich in London zu sehen, rückt die Verhüllung der Fassade stärker in den Vordergrund. Untertags, besonders, wenn die Sonne scheint, zeigen sich die Stoffbahnen als weiß überstrahlte Flächen und bieten Freiraum für vielfältige Spekulationen. Bei aufkommendem Wind muss man bei ihrem Anblick etwa an gigantische Steppdecken denken.

Fotografiert erinnern die weißen Flächen an die Auslöschung von Bildinhalten. Begriffe wie Räumung, Entfernung, Rückzug, Freiraum, Lücke, Leerung, vielleicht sogar Zwangsräumung oder Vertreibung kommen hoch. Das Übermaß an Gebäudeverkleidungen in den Städten zeigt, wie überhitzt der Wohnungsmarkt aktuell ist.

Im weiteren Projektverlauf konzentrierte ich mich zunehmend auf die Hülle beziehungsweise die Oberfläche der Gebäudeverkleidungen – nicht zuletzt auch auf das Spiel des Materials: Das Aufblähen der Stoffe und Planen im Wind, oder das Raster der Gerüstkonstruktion, welche teils im Vorder-, teils im Hintergrund sichtbar ist.

Für die Videoarbeit Schwere Wolken animierte ich die Fotografien der Planen zu unterschiedlichen Bewegungsabläufen und arrangierte diese Sequenzen zu szenischen Dialogen. Die künstlich erzeugten Bewegungsmuster könnten dabei von innen, durch die Arbeit an der Fassade oder dem Gebäude entstanden sein, oder durch äußere Einflüsse, etwa der Witterung. Auch filmische Elemente mit natürlicher Bewegung der Stoffe bei starkem Wind und Sturm kamen im Verlauf des Projektes in Form von kurzen Videoclips hinzu und mischen sich mit den animierten Fotos.

Letztendlich beeinflusst die Soundkomposition die Arbeit am Film stark. Ausgangspunkt dafür waren mehrere Tonaufnahmen verschiedenster Stoffe und Folien, welche aufgeschüttelt oder im Wind flatternd ganz unterschiedliche Geräusche abgeben. Weitere Aufzeichnungen, wie der Klangteppich eines sprudelnd dahinfließenden kleinen Baches sowie Baustellengeräusche bei starkem Wind trugen ebenfalls zur Entwicklung des Soundtracks bei. Verlangsamung und Beschleunigung spielen nicht nur in der Bildanimation, sondern auch in der Bearbeitung der Audiofiles eine wesentliche Rolle. Auch harmonische Korrekturen wurden angewendet. Grundsätzlich sollte der Klangteppich möglichst abstrakt gestaltet sein, um das Bild nicht zu illustrieren.

Der Titel Schwere Wolken ist vor allem auf die Komposition des Soundtracks zurückzuführen und beschreibt den unmittelbaren Zustand der Veränderung.
Es wird dunkel, Wind kommt auf, möglicherweise folgt Sturm oder Regen, vielleicht bricht auch die Sonne wieder durch den schweren Wolkenteppich.
Ein Prozess der Erneuerung ist im Gang, was kommen wird bleibt jedoch ungewiss.

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